Digitalisierung in der Schule – hier stehen unsere Schulen

So digital ist unsere Schule

Unsere Bildung muss digitaler werden – das ist mittlerweile sogar in den Köpfen der zuständigen Ministerien angekommen. Bis der erste Schüler etwas davon spürt und Smartboards flächendeckend die Overheadprojektoren aus den Klassenzimmern verbannen, kann es jedoch noch dauern, wie ein Blick in die Kommentarspalten zeigt. Nichtsdestotrotz gibt es schon jetzt handfeste Forderungskataloge und Initiativen, die versuchen den Schulen den Weg in die digitale Zukunft zu ebnen. Den Weg aus der Debatte, hin zur aktiven Einbindung digitaler Konzepte und Lerninhalte in die Lehrpläne hat jedoch bisher kaum eine Schule gefunden. Ein kleiner Überblick.

 

Digitalisierung an Schulen: Der Geist ist willig, das WLAN ist schwach

Lernen in der digitalen Schule

Wie viele andere hat auch die Bertelsmann Stiftung eine Studie in Auftrag gegeben und hält sich mit Handlungsempfehlungen und guten Ratschlägen nicht zurück. Zwar halten 90 % der Schulleiter den digitalen Wandel für unaufhaltsam, tatsächlich in den Unterricht eingebunden werden digitale Medien jedoch immer noch nur noch sporadisch. Längst etablierte Medien wie Youtube oder Wikis finden nur sporadisch Anwendung, um Lehrinhalte zu vermitteln. Nur jeder zehnte Lehrer geht einen Schritt weiter und fördert individuelles und interaktives Lernen mit der Hilfe von Lern-Apps oder Simulationen. Warum? Kein Geld, keine Zeit, keine Unterstützung. Bevor die Lehrer angehalten werden können, ihren Unterricht digital umzugestalten muss also zuerst eine grundlegende Neuordnung der Rahmenbedingungen und überhaupt mal ein Konzept her. Da der Digitalisierung von 92 % der Schulleiter aber nur eine minimale strategische Bedeutung für ihre Schulen beigemessen wird, bleiben Schulen strategiefrei und Lehrer wie Schüler müssen zusehen, wo sie bleiben.

Ganzen Bericht der Bertelsmann Stiftung lesen

 

D21-Studie: Das ist der ernüchternde Stand der digitalen Dinge in der Schule

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Das Netzwerk D21, bestehend aus Vertretern von Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, fördert seit 1999 den digitalen Wandel in Deutschland. Vergangenes Jahr veröffentlichten sie eine von höchster Stelle unterstützte Studie zur Evaluierung des „Bildungsstandortes Deutschland“. Vizekanzler Sigmar Gabriel höchstpersönlich unterstützte die Initiative mit einem Grußwort. Das ernüchternde Fazit auch der „offiziellen“ Studie: Der Umgang mit und das Leben in einer digitalen Lebenswelt mag für Schüler und viele Lehrer bereits völlig selbstverständlich sein. In den Schulen kommt sie jedoch nicht an – und in der öffentlichen Debatte ist man sich noch unsicher, ob das alles wirklich nötig ist. Die Verfasser der Studie fordern in ihrem Fazit nachdrücklich ein Umdenken und geben Handlungsempfehlungen, wie eine Digitale Schule realisiert werden kann. Dazu gehören natürlich zeitgemäße Ausstattungen in der Schule, aber auch eine Beförderung von Fähigkeiten wie Netzwerken und selbständiges Lernen der Schüler.

Hier lesen Sie die Studie zur digitalen Schule

 

Positionspapier des Branchenverbands bitkom gibt Handlungsempfehlungen für die Digitale Schule

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Der Bildungsstandort Deutschland liegt im internationalen Vergleich also gerade mal im Mittelfeld, was die Einbindung digitaler Technologien in den Lehr- und Lernalltag angeht. Das betrifft die Schulen, aber auch die Berufsschulen, Hochschulen und Weiterbildungsangebote. Der Branchenverband bitkom forderte bereits Ende 2016 in seinem Positionspapier 10 Maßnahmen ein, um Deutschland in diesem Feld endlich konkurrenzfähig zu machen. Darunter natürlich das Schaffen und Finanzieren der notwendigen digitalen Infrastruktur wie etwa flächendeckendes WLAN und die entsprechende Lehrerausbildung. Aber auch eine ganzheitliche Betrachtung der digitalen Bildung wird gefordert – das betrifft nicht nur das Zusammenwirken der verschiedenen Technologien, sondern auch eine länderübergreifende Zusammenarbeit der Bildungseinrichtungen sowie eine Aufhebung des Bund-Länder-Kooperationsverbotes. Kurz das, was in Betrieben mit der Forderung „Silodenken überwinden“ gemeint ist. Der bitkom ist in seinen Forderungen weitaus mutiger und konkreter, als es öffentlich geförderte Studien je sein können.

Jetzt Positionspapier des bitkom lesen

 

Initiative MINT-freundliche Schule fördert Digitale Schulen durch Auszeichnung

Mint freundliche Schule

Anstatt es bei Forderungskatalogen zu belassen, will diese Initiative den Stein ins Rollen bringen und Schulen aktiv dazu animieren, sich der digitalen Realität nicht länger zu verweigern.

Die Initiative MINT-freundliche Schule (MINT ist übrigens die Kurzform für den Fächerkomplex aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) hat daher mithilfe einiger namhafter Partner ein Pilotprojekt für die Auszeichnung als „Digitale Schule“ ins Leben gerufen. Hier können sich Schulen bewerben, die den Weg in die digitale Zukunft ab sofort aktiv beschreiten wollen. Der geforderte Lehrinhalt umfasst nicht nur das Erlernen und Anwenden von Informatik-Grundlagen, sondern auch den Blick auf die gesellschaftlich-kulturelle Dimension der vernetzten Welt und die Wechselwirkungen von Mensch und Maschine. Teilnehmende Schulen werden dazu angehalten, konkrete alltagsbezogene Lerninhalte und inklusive Lernkonzepte zu entwickeln. Der Fragebogen, den teilnehmende Schulen ausfüllen sollen, wird sehr konkret und ermutigt die Schulleiter, sich nicht im Ungefähren zu bewegen, sondern das von der Bertelsmann Stiftung geforderte umfassende Konzept zu erstellen. Das Ziel: Das Verantwortungsbewusstsein, die Urteilsfähigkeit, Kreativität und Selbstbestimmtheit der Schüler im Umgang mit der digitalen Welt fördern.

Mehr über die Auszeichnung als Digitale Schule erfahren