Darum sind Studien zum „Digitalen Reifegrad“ von Unternehmen so oft wertlos

Studien zum digitalen Reifegrad von Unternehmen liegen gerade voll im Trend. Mal als „Studie zur digitalen Transformation“ mit wissenschaftlichem Anspruch, mal breitbeinig als „Digital Readiness Check“ findet man verschiedenste Formen. Ihr vordergründiges Ziel: Schnell zu zeigen, wo deutsche Unternehmen in Sachen Digitalisierung heute stehen. Selbstverständlich kann man bei den Verfassern auch das eigene Unternehmen auf seine „digitale Reife“ untersuchen lassen. Doch leider ist ein Großteil dieser Studien und Tests nicht wirklich brauchbar. Und ich sage Ihnen auch gerne, warum.

 

Erster Fehler: Digitalisierungs-Studien stellen die falschen Fragen

Das Hauptproblem vieler Studien ist, dass sie die falschen Fragen stellen. Vergessen Sie die Details, es wird beherzt drauflos gefragt: „Haben Sie eine digitale Strategie?“ „Aber natürlich!“ wird nun jeder Firmenlenker antworten. Nur wurde vorher gar nicht geklärt, was mit einer „digitalen Strategie“ eigentlich genau gemeint ist.

Und da hat jeder seine ganz eigene Sicht. Mancher ist ja schon „strategisch digital“, seit er seinen Newsletter jetzt als PDF-Anhang verschickt. Der andere hat noch Schwierigkeiten, seinen Machine-Learning-Ansatz im Predictive Maintenance sauber hinzukriegen und geniert sich, das Wort Strategie zu verwenden. Um ihrem eigenen Anspruch zu genügen, muss eine Studie

  • erst definieren (was genau wird erhoben – und wie?),
  • dann erheben (aber bitte methodisch sauber) und
  • dann erst aus- und bewerten.

Wenn schon der vage Vorsatz „wir müssen digitaler werden!“ als Strategie zählt, dann ist das ganze „Digital Maturity Assessment“ höchstens eine Meinungsumfrage. Und das hilft Ihnen nicht weiter.

 

Zweiter Fehler: Die falschen Befragten

Jeder Fragende hält immer das eigene Thema für den Schlüssel zur Digitalisierung. Dadurch entsteht der zweite systematische Fehler, denn die Studien sind nie komplett, wenn sie nur eine ganz bestimmte Abteilung der Unternehmen befragen. Bei solchen Digitalisierungs-Studien ist dann schon von vorneherein klar, wohin die Reise geht.

Wenn, nur als Beispiel, die Beratung Lünendonk die CIOs befragt, dann sieht man, wie enorm wichtig Lünendonk vor allem die IT bei der Digitalisierung ist. Wenn Adobe seine Fragen stellt, dann geht es um das Marketing. Bei Salesforce geht es um den Vertrieb, der die Digitalisierung anführen soll. Und so weiter.

Dazu kommt, dass aus Zeitgründen oft nur ein oder zwei Mitarbeiter jedes Unternehmens befragt werden. Wenn es denn überhaupt so weit kommt. Noch schlechter sind „Studien“ die sich darauf beschränken, Website und Social Media Kanäle des Unternehmens zu kommentieren.

Aber wer hat Recht? Welche Abteilung ist denn nun die wichtigste, wenn es um die Digitalisierung Ihres Unternehmens geht?

 

Dritter Fehler: Digitalisierungs-Studien sind viel Schaum, wenig Bier

In der Regel enden die Digital Maturity Checks mit einer Reihe von Handlungsempfehlungen. Das Problem: Es sind immer dieselben Empfehlungen, lediglich eingefärbt von den Vorlieben der Fragenden. Und dann wird es schnell banal. Natürlich sollte man die C-Ebene in die Digitalisierung einbinden. Ja, und auch agile Methoden sind ein wichtiger Punkt. Wer CIOs fragt, dem kann man empfehlen sich „eine moderne IT-Infrastruktur“ zuzulegen. Darauf muss man doch erst mal kommen.

Eine besonders schöne und gehaltvolle Wortwolke haben wir bei Salesforce gefunden: “Only the thoughtful investment of resources toward stated goals will actually accomplish the desired result.“ Das hat schon etwas von Zen. Oder, wie die Comic-Figur Dilbert es nennen würde: „The blinding flash of the obvious“.

Dem blendenden Blitz des Offensichtlichen begegnen wir also ziemlich oft. Denn all das wussten wir ja vorher auch schon. Da fragt man sich als Leser schon mal, wozu man sich eigentlich durch zig Seiten Studie gekämpft hat. Aber es sah zumindest gehaltvoll aus, vor allem wenn ein paar hübsche Tabellen und Grafiken drin waren.

 

Manchmal geht es etwas besser

Aber, to be fair: Da draußen gibt es auch ein paar Studien zur digitalen Transformation, die sich sehen lassen können. Die Universität St. Gallen zum Beispiel befragt schon seit 2015 Unternehmen in der DACH-Region nach ihrem digitalen Reifegrad. Das geht quer durch alle Abteilungen und fragt dabei eine ganze Reihe wertvoller Parameter ab. Ganz ohne Bias auf mögliche Zielgruppen für das eigene Produkt.

Was mir besonders gefällt: Als allererstes erkundigen sie sich detailliert nach den Erfahrungen, die die Kunden dieser Unternehmen machen. Ah! Man fragt mal die mittelbar Betroffenen nach Ihrer Einschätzung! Natürlich muss man auch hier die richtige Frage stellen aber man vermeidet zumindest den selbstzufriedenen Blick in den eigenen Bauchnabel, den so viele Umfragen klaglos in Kauf nehmen.

Nur mit einem solchen, nennen wir es „ganzheitlichen“ Ansatz, kann besser festgestellt und verglichen werden, wie digital unsere Unternehmen sind. Aber eine Frage bleibt auch bei dieser Studie – was soll man denn jetzt als deutsches Unternehmen mit der Erkenntnis anfangen, dass soundsoviel Prozent unserer Firmen noch recht grün hinter den Ohren sind, was die Digitale Reife angeht?

Sie können Ihre Kollegen im Management damit beeindrucken. Aber wirklich praktischen Nutzen bekommen Sie in diesen Studien nicht. Aber genau das ist es, was sie wollen? Na, dann analysieren Sie doch am Besten Ihr eigenes Unternehmen. Und zwar gründlich!

 

Butter bei die Fische: So geht ein richtiges Digital Assessment!

Zeit für etwas schamlose Eigenwerbung: Wenn Sie es wirklich genau wissen wollen, dann rufen Sie mich an. Oder schicken eine Mail. Dann schauen wir gemeinsam, was Sie wissen müssen um Ihre Situation zu verstehen.

Wenn Sie schon mal anfangen wollen, dann achten Sie auf die folgenden Punkte.

  • Bewerten Sie das ganze Unternehmen
    Sie müssen das komplette Unternehmen auf digitale Reife beurteilen, jede einzelne Abteilung. Also die Bereiche Entwicklung, Produktion, Service, Marketing, Vertrieb und IT. Und vielleicht auchLogistik und Buchhaltung. Und was Sie sonst noch an Abteilungen haben, vor allem solche, die in Kontakt mit Kunden stehen.
  • Bewerten Sie mehrere Faktoren.
    Beurteilen Sie die Basis, aber auch Methoden, das Mindset, die gesetzten Ziele und die gelebte Praxis. Nutzen Sie dabei das Digital Delta, um Ihre Projekte und Arbeitsweise zu bewerten:
    Ist dieser Prozess, dieses Ziel

1. eine Verbesserung des Bestehenden,
2. eine Erweiterung und Neukombination des Angebotes oder
3. entdecken Sie hiermit neue Geschäftsfelder?

Sie erhalten einen detaillierten Ist-Zustand Ihres Unternehmens.

  • Bedrohungen
    Sie müssen erkennen, in welchen Bereichen es Defizite in Sachen Digitalisierung gibt und was die Folgen heute und in Zukunft sind. Schauen Sie, wo Ihr Unternehmen dem Markt hinterherhinkt und welche Aufgaben Sie hier lösen müssen.
  • Potentiale
    Als Gegenstück zu den Berohungen brauchen Sie auch eine Übersicht der naheliegenden Möglichkeiten, mit denen Sie Ihre einzelnen Bereiche digital verbessern können. Bewerten Sie, welche Techniken sich dort einsetzen lassen und welche Werte in diesen Potentialen schlummern. Auch hier gilt das Digital Delta: Verbessern / Erweitern / Entdecken.
  • Überblick
    fassen Sie die Ergebnisse möglich prägnant und griffig zusammen. Aber bitte ohne sie auf Allgemeinheiten zu reduzieren. Was Sie brauchen ist ein kluger, ausreichend detaillierter Überblick, quantitativ und qualitativ. Dann könen Sie als nächstes enscheiden, wie Sie ab heute vorgehen. Und kommen damit zur Digitalen Strategie!

Das alles können Sie selbst tun. Und erhalten so eine weit brauchbareres Digital Assessment als in vielen Tests und Studien.

 

Und wenn es schneller gehen soll – Sie wissen schon: Kurz melden. Dann haben wir das in 2-3 Wochen erledigt und Ihr Unternehmen bekommt in Sachen Digitale Transformation endlich Tempo.