Ich bin Digitalisierungs-Berater. Ich arbeite nicht.

Provokante Aussage?

Aber nein.

Wenn Sie sich einen Berater für die Digitale Transformation ins Unternehmen holen, hat dieser genau eine Aufgabe: Sie zu beraten. Zugegeben, das ist für sich genommen auch ganz schön Arbeit. Was Sie von Ihrem Berater allerdings nicht erwarten dürfen: Dass er für Sie die digitale Transformation Ihres Unternehmens erledigt.

„Schade, eigentlich“, denken Sie jetzt. „Das wäre so bequem und würde mir das Leben sehr viel einfacher machen!“. Das mag sein, hat aber einen Haken: Auf lange Sicht bringt Ihnen das nichts. Warum Sie erfolgreicher sind, wenn Ihr Berater Ihnen eben nicht die ganze Arbeit abnimmt, das erkläre ich Ihnen gerne.

 

Gute Beratung ist Hilfe zur Selbsthilfe

Eigentlich egal, ob bei der Unternehmensberatung in der Digitalisierung oder bei Nachhilfe in der Schule: Sie müssen lernen, Ihre Aufgaben selbst zu lösen. Wie Gunter Dueck es ausdrückte: Wer sich helfen lässt, wird abhängig und hat irgendwann keinen Mut, Willen und auch nicht die Kompetenz, es selbst zu tun. Oder anders: Wenn Mutti Ihnen immer die Hausaufgaben macht, werden Sie vielleicht Lob vom Lehrer bekommen, aber in der Mathearbeit versagen.

Und das ist genau die Balance, um die es geht. Genug Firmen haben auf externe Berater und Outsourcing gesetzt. Aus Kostengründen, für mehr Tempo oder weil man einfach nicht die nötigen Menschen hatte. Doch die Folge ist Abhängigkeit. Im besten Falle sind Sie auf die Verfügbarkeit und das Können Ihres Dienstleisters angewiesen und müssen manchmal warten. Im schlechtesten Fall sind Sie komplett erpressbar.

Das Digitale ist eine Kernkompetenz für fast jedes moderne Unternehmen. Strategisch verantwortlich handeln Sie, wenn Sie diese Kompetenz im Unternehmen behalten und entwickeln. Also selbst wissen, was Sie tun.

Was bedeutet das für Ihre Berater? Nun, der hat eine andere Aufgabe.

 

Zucker, Asche und gute Berater: Digitalisierung mit Katalysator

Probieren Sie einmal, ein Stück Würfelzucker anzuzünden. Das wird nicht klappen. Aber wenn Sie den Zucker in etwas Asche stippen, dann brennt er. Am Ende ist der Zucker verbrannt, die Asche aber unverändert. Sie ist der Katalysator. Und ein guter Berater, der diesen Namen verdient, ist ebenfalls ein Katalysator. Er ermöglicht und beschleunigt den Prozess, ohne dabei selbst Teil der Veränderung zu sein.

Die Aufgabe eines Beraters ist es, Ihre notwendige Veränderung schneller und einfacher zu machen. Aber daran arbeiten müssen Sie schon selbst: So wenig, wie Ihr Fitness-Coach für Sie joggen gehen kann, so wenig werden Sie selber fit, wenn andere arbeiten. Also hilft Ihnen Ihr Berater, das Richtige zu tun – und es richtig zu tun.

 

Was heißt das in der Praxis?

Dass vor allem Sie arbeiten. Ob Marktforschung, Ideengenerierung, der Bau von Prototypen oder das Ausdenken von Geschäftsmodellen. Ob Testen und Anpassen, ob Organisieren, Programmieren oder Dokumentieren: Das ist Ihr Business. Also tun sie es auch.

Denn wenn Sie es nicht tun, dann werden sie es nie selber können. Ganz poetisch: „Sag es mir und ich höre es. Zeig es mir und ich verstehe es. Lass es mich selbst tun und ich kann es.“ Jepp, das gilt auch im harten Business und in digitalen Zeiten.

Das ist übrigens wie bei guter Führung: Ein Chef der alles selber macht, weil er es halt doch am besten kann – der wird diese Sachen nie los, weil seine Mitarbeiter nicht lernen es ohne ihn zu tun. Das ist übrigens auch sehr erhellend: Wenn Sie etwas im Unternehmen nicht selbst können, fehlt Ihnen dort offensichtlich eine Ressource. Ob das fehlendes Know-how ist, mangelnde Kapazität oder „nur“ eine Organisation, die an der Stelle klemmt: Wenn Sie ein Problem erkennen, dann können Sie es auch lösen.

 

Meinen Sie das ernst, Herr Atiker?

Aber ja! Wer als Berater mit Begeisterung all die Aufgaben des Kunden übernimmt, weil er dann fröhlich Tagessätze abrechnen kann, der macht schlicht seinen Job nicht! Und wer als Kunde seinen Berater Berichte, Analysen und sogar E-Mails schreiben lässt, wer sich für über 200 Euro die Stunde PowerPoint-Folien basteln lässt – der macht seinen (oder ihren) Job genauso wenig!

Denn entweder ist hier ein Problem, das gelöst werden muss und nicht nur übertüncht. Oder, noch wahrscheinlicher: All die Berichte und Präsentationen sind gar nicht relevant. Die werden zwar geschrieben, aber dann nur überflogen und eingelagert. Etwas, das wir Techniker „Write-only“ Dokumente nennen – nie wirklich dazu bestimmt, gelesen zu werden. Und darauf können Sie getrost und mutig verzichten!

 

Soso, der Kunde macht also alles. Und was machen Sie?

Das, was er nicht kann. Und alles was nötig ist, um das Tempo hoch zu halten.

Dazu gehört unter anderem das Nachfragen: Was genau ist das Ziel eines Projektes, wie sind die Ziele zu fassen? Sind sich alle Verantwortlichen einig, was gemeint ist und was das für Konsequenzen hat?

Ich zeige, wo es klemmt und mache Vorschläge, wie es besser geht. Nein, ich mache es nicht für den Kunden, er macht es und ich helfe dabei! Tools, Methoden, Beispiele von anderen, den richtigen Kniff zur richtigen Zeit. Die Moderation (was die Amerikaner Facilitation nennen), der Reality-Check, die Stimme der Vernunft (die ausspricht was mancher nicht zu sagen wagt).

Das Überraschende: Das Projekt wird so enorm effizient: Weil eben keiner Zeit und Lust hat, mehr als das Notwendige zu machen. Es geht darum, die gesetzten Ziele so leicht und schnell wie möglich zu erreichen. Und auf einmal braucht keiner mehr die Präsentationen und Berichte, die Meetings werden kurz und effizient und Ideen werden am Flipchart diskutiert.

Mit einem guten Berater wird der Kunde effektiv (erreicht wirklich etwas) und effizient (schafft das mit weniger Aufwand). Und das ist doch lässig.

 

Gibt es denn auch greifbare Ergebnisse?

Aber ja! Was zählt, ist was dabei herauskommt. Eine Strategie, die nicht nur verstanden, sondern auch umgesetzt wird. Ein Assessment, auf dessen Basis echte Entscheidungen gefällt werden. Events, die wirkliche Veränderung anstoßen. Oder auch eine neue Innovations-Einheit im Unternehmen, die weiß wie sie von der Idee zum Produkt und weiter bis zum Geschäftsmodell kommt.

Transformation bedeutet, dass nachher etwa anders ist im Unternehmen. Digitale Transformation bedeutet, dass das Unternehmen das Digitale nutzt, um mehr Wert für Kunden zu schaffen.

Und das, das ist worum es in jedem Unternehmen am Ende geht. Alles andere ist Mittel zum Zweck. (Oder Ablenkung und Business-Theater und wird am besten gelassen.)

 

Die beste Antwort, die Ihnen ein Berater geben kann, ist die Gegenfrage: „Und wie würden Sie das angehen?“

 

 

 

Was sagen eigentlich andere Berater dazu?

Natürlich gibt es noch immer die klassischen Berater, die gern erst einmal ein paar Dutzend Personentage verkaufen, „um sich ein Bild zu machen“ und dann begeistert auch die Implementierung übernehmen. Kann man machen.

Aber es gibt einige sehr kluge Denker, die dieses Vorgehen für völlig falsch halten. Schauen wir doch mal, was Gunter Dueck, Matthias Kolbusa oder Lars Vollmer dazu sagen:

 

Wir lassen uns helfen, bis wir dumm sind

Gunter Duecks inspirierender Beitrag in der FAZ über lernfaule Unternehmer und erfolgreiche Hilfe zur Selbsthilfe. Viele erwachsene Menschen scheuen es, neue Prozesse oder Sachverhalte beherrschen zu lernen. Denn der Weg dorthin beinhaltet wahrscheinlich Umwege, mehrere Versuche und ganz bestimmt den ein oder anderen Fehler. Diese Angst gilt es, zu überwinden – und genau dafür ist ein guter Berater da.

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Schmerzvermeidung – die Erfolgsbremse

Matthias Kolbusa nimmt sehr effektiv die Gründe auseinander, die Manager dazu veranlassen, sich die Arbeit abnehmen zu lassen. Anstatt die Arbeit und die Mühe zu investieren, selbst denken zu lernen. Die Antwort lautet: Schmerzvermeidung. Sie führt dazu, dass man lieber kurzfristig Maßnahmen abarbeitet, anstatt sich ein Mal grundsätzlich Gedanken zu machen, Prioritäten zu setzen und möglicherweise unangenehme Entschlüsse zu fassen. Wie Sie dieser selbst verschuldeten Unmündigkeit entkommen, lesen Sie in seinem Blog.

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Der moderne Paternalismus – ein Drama in zwei Akten

 

Zum Artikel von Vollmer

Lars Vollmer spricht über paternalistische Führungskräfte – aber diese Einstellung lässt auch auf Berater anwenden. Wie Helikopter-Eltern nehmen die paternalistischen Berater den Unternehmen alles ab, damit sie ja keine unangenehmen Erfahrungen machen müssen. Mit dem Ergebnis, dass sie eben gar keine Erfahrungen machen und auch nicht lernen, selbständig zu sein. Wie überheblich und schädlich so ein paternalistisches Verhältnis für den Beratenen ist, führt Lars Vollmer sehr überzeugend aus.

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